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Spirituosen und Liköre richtig lagern

17 Jan

Rhum BardinetLiebe Drinkology-Leser,

immer wieder bekommen wir Anfragen wie man Spirituosen am besten lagert. Da diese Frage selten pauschal zu beantwortet ist, möchten wir Ihnen gerne einen kleinen Leitfaden an die Hand geben.

Um den Vorgang der Alterung in Flaschen besser zu verstehen, ist es wichtig ihre Ursachen zu kennen.

Der Hauptgrund für die Alterung von Weinen und Spirituosen ist die Oxidation. Unter Oxidation versteht man, grob gesagt, die Reaktion eines Stoffes mit Sauerstoff. Jeder kennt diesen Vorgang z.B. von einem angeschnittenen Apfel, der nach wenigen Minuten braun wird. Dabei verändert sich jedoch nicht nur das Aussehen des Apfels, sondern auch sein Geschmack. Solche Oxidationsprozesse laufen auch in Spirituosen und Likören ab. Allerdings passiert dies im Gegensatz zum Apfel sehr langsam. Die Gründe dafür sind, dass Ethanol relativ beständig gegenüber Oxidation ist und der Kontakt mit Luftsauerstoff durch den Flaschenverschluss sehr gering ist. Da allerdings kein Verschluss zu 100% dicht ist, kommt es im Laufe der Jahre zwangsläufig zu kleinen oder größeren Veränderungen in den Flaschen. Dabei findet weniger eine Oxidation des Ethanols, sondern eher der zusätzliche enthaltenen Komponenten wie beispielsweise der Aromastoffe statt.

Ein weiterer schädlicher Einfluss auf Spirituosen und Likör ist Wärme. Bei höheren Temperaturen laufen nicht nur die Oxidationsvorgänge schneller ab, sondern es verdunstet auch langsam die Flüssigkeit aus den Flaschen. Dabei sinkt vor allem der Alkoholgehalt des Flascheninhalts, da der Siedepunkt des Ethanols bekanntlich geringer ist als der von Wasser und dieser sich dementsprechend auch schneller verflüchtigt. Sinkt der Flüssigkeitspegel unter den Flaschenhals, bietet die größere Oberfläche dem Sauerstoff mehr Angriffsfläche. Sammler von älteren Flaschen schauen deshalb immer ob der Füllstand der Flasche mindestens noch „into neck“, also im Hals ist.

Was bedeutet dies nun für mich als Konsument? Zuerst einmal gar nichts, denn die beschriebene Vorgänge laufen bei geschlossenen Spirituosen im Laufe von Jahren bzw. Jahrzehnten ab. In diesem Zeitraum hat ein „normaler“ Konsument die Flaschen sowieso schon geöffnet und ausgetrunken. Falls Sie ihre geschlossenen Flaschen jedoch über einen längeren Zeitraum, beispielsweise zur Wertsteigerung, lagern wollen, gibt es einige Punkte zu beachten.

–          Spirituosen sind „ewig“ haltbar

Lagert man Spirituosen fachgerecht, so sind diese theoretisch ewig haltbar. Es gibt beispielsweise noch Cognac aus dem 18. Jahrhundert der mit Genuss trinkbar ist.

–          Hochprozentige Liköre verhalten sich wie Spirituosen

Liköre mit einem Alkoholgehalt von über 30 % vol., wie beispielsweise Benedictine DOM Liqueur oder Chartreuse Verte, verhalten sich wie hochprozentiger Alkohol und sind bei fachgerechter Lagerung mehrere Jahrhunderte haltbar.

–          Niederprozentige Liköre

Likören mit weniger als 30 % vol. muss man differenziert betrachten. Enthalten sie zusätzlich zum Alkohol einen sehr hohen Zuckergehalt, sind sie ebenfalls über mehrere Jahrzehnte haltbar, wobei sich allerdings deutliche Oxidationsaromen bilden. Diese Aromen werden nur von einigen Konsumenten als nicht negativ wahrgenommen, weshalb die Wertsteigerung bei solchen Abfüllungen gering ist. Es gibt also keinen Grund niederprozentige Liköre länger zu lagern – Trinken Sie ihn lieber aus. Liköre mit Sahne- oder Milchzusatz, wie z.B. Baileys, sollten nicht länger als fünf Jahre aufbewahrt werden.

–          Vermouth

Auch Vermouth verändert sich über längeren Zeitraum eher ins Negative. Trinken Sie ihn lieber aus. Es gibt zwar einen Sammlermarkt für historische Wermut-Flaschen, dabei geht es den Sammler jedoch eher um die Optik der Flasche als um den Inhalt.

–          Flaschen mit Kork und Drehverschluss sollten stehend gelagert werden.

Im Gegensatz zu Weinen, sollten Spirituosen mit Korken stehts stehend gelagert werden. Dies liegt daran, dass bei Spirituosen ein sogenannter Gebrauchskork verwendet wird. Dieser sitzt weniger fest in der Flasche als Weinkorken und kann bereits nach wenigen Jahren lecken, wodurch Flüssigkeit verloren geht und die Spirituose stark an Wert und Geschmack verliert. Bei Flaschen mit Drehverschluss ist es ebenfalls sinnvoll sie stehend zu lagern, da ansonsten die Plastikschicht unter dem Drehverschluss über die Jahre zu stark angegriffen wird.

–          Keinem direkten Sonnenlicht aussetzten

Sonnenlicht lässt Spirituosen nicht nur schneller altern, sonder bleicht auch das Etikett aus. Vermeiden Sie es daher so gut es geht ihre Flaschen direktem Sonnenlicht auszusetzen. Lagern sie alle geschlossenen Flaschen möglichst kühl und dunkel. Ideal wäre die Lagerung in einem Weinkühlschrank, aber ein Schrank im Keller liefert auch gute Dienste.

Neben der Lagerung von geschlossenen Flaschen, werden wir auch oft gefragt, wie man mit geöffneten Flaschen umgehen soll. Hier müssen wir erst einmal mit einem gängigen Mythos aufräumen, nämlich dass auch geöffnete Whisky- Cognac, Rumflaschen etc. ewig haltbar sind. Dies ist schlichtweg falsch, denn nach ca. zwei Jahren verlieren diese deutlich an Geschmack und können bei geringem Füllstand sogar geschmacklich ins ungenießbare umkippen. Daher hier ein paar Regeln für die Lagerung von geöffneten Flaschen

–          Kühl und dunkel lagern

Generell gilt auch bei angebrochenen Flaschen, dass Sie diese möglichst kühl und dunkeln lagern sollten.

–          Möglichst schnell verbrauchen

Nachdem Sie eine Flasche geöffnet haben, sollte Sie sie auch möglichst schnell austrinken um den vollen Genuss zu bewahren. Sie müssen dabei zwar nichts überstürzen, aber es ist sinnvoll eine Spirituosenflasche ca. ein Jahr nach der Öffnung aufgebraucht zu haben. Öffnen Sie daher lieber wenige Flaschen und genießen diese im vollen Umfang als später 20 Whiskyflaschen mit fadem Aroma an der Bar stehen zu haben. Liköre sollten innerhalb von ungefähr sechs Monaten aufgebraucht sein. Falls Sie länger Spaß an hochwertigen Flaschen haben möchten, lohnt es sich diese mit Edelgas zu bedampfen. Es gibt solche Systeme halbwegs preisgünstig für Weine, sie eignen sich jedoch genauso gut für Spirituosen.

Dies waren unserer Meinung nach die wichtigsten Tipps und Tricks zur Lagerung von geöffneten und geschlossenen Likörflaschen und Spirituosenflaschen. Falls Sie noch weitere Fragen haben, freuen wir uns Ihnen diese per Kommentar unter diesem Artikel zu beantworten.

Ihr Drinkology-Team

 

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  1. maid_jerry

    7. Juni 2015 at 09:55

    Stimmt!. Ich erinnere mich an meine erste, bessere Flasche Rumlikör (Legendario Elixier de Cuba). Etwa nach einem Jahr und der halben Flasch war schon fast schluss Schluss mit den guten Aromen.

     
  2. Ralf

    22. Juni 2015 at 23:34

    Hallo Team,

    danke für die ausführliche Beschreibung der Lagerung.
    Ich habe zwischenzeitlich einige Gin´s – einige davon will ich auch noch länger lagern.
    Bisher stehen sie im Keller/Schrank/dunkel – aber die Temperatur ist nicht konstant, da Altbau. Ich bin nun am überlegen einen Weinschrank zu kaufen.
    Welche Temperatur ist hier am besten geeignet?

    Vielen Dank für Eure Hilfe.

    Mit freundlichen Grüßen
    ralf

     
  3. Robin Stein

    23. Juni 2015 at 13:11

    Hallo Ralf,

    generell ist eine niedrigere Temperatur günstiger um der Alkoholverdunstung entgegenzuwirken. Sollte dein Weinkühlschrank also eine Temperaturzone für Weißwein (ca. 10 °C) haben, würde wir vorschlagen diese zu nutzen. Dies hat den weiteren Vorteil, dass der Gin bei Verwendung in Cocktails schon vorgekühlt ist und somit weniger Schmelzwasser von den Eiswürfeln in den Drink gelangt.

    Cheers
    Robin

     
  4. Alex

    28. August 2015 at 13:00

    Tolle Tipps, wollte mich bedanken. Alex

     
  5. Allemann Lisbeth

    3. September 2015 at 14:54

    Hallo liebe Leute

    „Generell gilt auch bei angebrochenen Flaschen, dass Sie diese möglichst kühl und dunkeln lagern sollten.“

    Kühl und dunkel lagern…. muss man dann die Spirituosen (z.B. Gin) im Kühlschrank lagern? Reicht es auch in einem Schrank in der Wohnung?

    Freundliche Grüsse
    L. Allemann

     
  6. Boulevadier

    5. September 2015 at 10:22

    Hi Robin,

    als jemand, der jahrelang seinen Lebensunterhalt mit Cocktails verdiente, eine Anmerkung: vorausgesetzt, der offene Gin (oder anderer hochprozentiger Alkohol) soll innerhalb eines Jahres aufgebraucht werden (in einer Bar ohnehin keine Frage), gehört er nicht in den Kühlschrank, sondern in die back bar. Unter 30%iges wie Vermouth dagegen in den Kühlschrank.

    Wasser (Schmelzwasser, wie Sie es nennen) von den Einswürfeln ist immer der ungenannte Teil eines guten Cocktails. Ich kann dies nicht steuern, wenn der Gin o.ä. bereits zu kalt ist. Wichtig ist auch die Art / Größe der Eiswürfel und auch „Schütteln oder Rühren“ ist keine beliebige Entscheidung. Todsünde: Eisfach.

    Wichtig: wenn Sie guten Gin und gute andere Zutaten verwenden, nehmen Sie auch gutes Wasser für die Eiswürfel…

     
  7. Walter

    17. Oktober 2015 at 22:26

    Gerade Schnäpse wie zB Whisky haben im Vergleich zu Wein den Vorteil, dass die praktisch nicht umkippen und lange gelagert werden können. Man kann Whisky also auch unproblematisch Zuhause aufbewahren. Whisky eignet sich angesichts der Preissteigerung bei Single Malts auch hervorragend zur Geldanlage. Wen es interessiert, hier: http://Whisky-geldanlage.de

     
  8. Alexander

    27. Juni 2016 at 21:42

    Danke für eure Mühe 🙂 LG

     
  9. goku

    24. Dezember 2016 at 18:36

    Hallo,
    ich habe eine Malibu flasche im Juni geöffnet und leider
    nicht viel da raus getrunken.
    Die Flasche liegt nun seit dem in meinem Keller im Dunkeln.
    Während der Sommer Zeit war der Keller jedoch warm gewesen, deshalb weiß ich nicht ob die Flasche noch trinkbar ist.

     
  10. Drinkology

    25. Dezember 2016 at 20:33

    Hallo,

    das sollte überhaupt kein Problem sein. Der hohe Alkoholgehalt hat eine konservierende Wirkung. Da kann im Normalfall nichts passieren.

     
  11. Don

    11. März 2017 at 00:36

    Hallo alle zusammen.
    Ich hab ein Cocktailkurs besucht und war so fasziniert das ich mega viel Flaschen ( für ein Haushalt vllt viel) besorgt hab.
    Ich hab paar angebrochen und auch viele die noch verschlossen sind.
    Ich hab jetzt eine Vitrine gekauft wo ich alles drin hab. Die Vitrinen hat ein kleines Fenster seitlich und es befindet sich in wohnzimmer.
    Jetzt meine frage…kann der Inhalt durch zimmerlicht kaputt gehn oder Zimmertemperatur ( 17°C – 23°C )?

    Gruß
    Don

     
  12. David Müller

    17. März 2017 at 10:52

    Danke für den ausführlichen Beitrag. Ich habe mich neulich mit einem Kollegen darüber unterhalten, wie lange sich Spirituosen in einem Lager aufhalten können. Viele Gastronomien haben unzählige Flaschen an Spirituosen und bei dem ein oder anderen gehen die Getränke nicht so schnell weg. Gut zu wissen, welche Eigenschaften ein Lager haben muss.

     
  13. admin

    7. April 2017 at 20:47

    Hallo, das kann man leider nicht generell beantworten. Je nachdem welche Spirituosen Sie stehen haben. Liköre mit Fruchtanteil halten sich geöffnet nicht so lange und verschlossen meistens 3 Jahre. Man muss die Farbe beachten ob diese sich geändert hat. Spirituosen auf Milchbasis, können bei höheren Temperaturen schnell kaputt gehen. Sonstige hochprozentige Spirituosen (Vodka, Cognac, Whisky, Rum usw) sollten geöffnet und ungeöffnet kein Problem darstellen.

     
  14. Kai

    6. Mai 2017 at 16:37

    Sehr guter und informativer Beitrag. Stimme dem Autor voll und ganz zu. Schlecht werden die Spirituosen ab einem gewissen Vol% zwar nicht, jedoch hatte ich neulich einen Beefeater Gin in die Hände bekommen, der nach 1,5 Jahren deutlich an Aroma eingebüßt hat.

     
  15. Jan

    2. November 2017 at 20:44

    Hallo
    Ich habe eigenen Schnaps (Kern-/Steinobst) Jetzt habe ich Ihn in Flaschen mit langem Hals abgefüllt. Jetzt wenn die Flaschen stehen, laufen sie einwenig an. Ist das Schlimm? oder ist das nur weil de Alkohol verdunstet?
    Viele Dank für die Antwort.
    freundliche Grüsse
    Jan Luternauer

     
  16. admin

    7. November 2017 at 22:27

    Um genau fest zu stellen was da jetzt los ist, bräuchten wir ein Bild um zu sehen wie es aus sieht. Es kann nämlich mehrere Gründe haben. Die Temperatur der Lagerung kann eine Rolle spielen, sowie die Form der Flasche. Alles hat aber eine andere Auswirkung. – Ihr Drinkology Team –